Analyse

Organspende-Pflicht: Mehrheit der Barmer-Versicherten dafür

Eine Mehrheit der gut neun Millionen Versicherten der Barmer-Krankenkasse spricht sich für eine grundsätzliche Organspende-Pflicht aus.

58 Prozent seien dafür, dass jeder im Todesfall automatisch seine Organe spenden sollte, sofern nicht zu Lebzeiten widersprochen wurde. Das geht aus einer Online-Umfrage für die Krankenkasse unter 1000 ihrer Versicherten hervor.

Generell ist die Bereitschaft zu Organspende unter Frauen mit 39 Prozent höher als bei Männern (29 Prozent), berichtet die dpa.

Die sogenannte Widerspruchslösung gilt bereits in Spanien, Italien, Norwegen, Schweden, Luxemburg, Österreich und Frankreich. Das derzeitige Recht in Deutschland sieht dagegen vor, dass Organe im Todesfall nur entnommen werden dürfen, wenn der Spende zuvor ausdrücklich zugestimmt hat oder Angehörige nachträglich dies als Willen des Verstorbenen angeben.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz erklärte, dass der Bundestag nach dem Manipulationsskandal 2012 und intensiven Diskussionen festgestellt habe, dass Schweigen keine Zustimmung sei. „Damit war die Widerspruchslösung vom Tisch, die auch verfassungsrechtlich hoch bedenklich ist“, argumentierte Vorstand Eugen Brysch. „Nur weil die millionenschwere Informationskampagne der Kassen ins Leere läuft, darf jetzt nicht ein ethisches Prinzip über Bord geworfen werden.“

Menschen können der Entnahme etwa mit einem Organspendeausweis zustimmen. Die Zahl der Versicherten mit einem solchen Dokument ging seit April 2017 um 6 Punkte auf 36 Prozent hoch. Junge Menschen haben häufiger einen Organspendeausweis als Ältere: 46 Prozent der 18- bis 25-Jährigen gaben an, einen solchen Ausweis zu besitzen. Bei den 51- bis 64-Jährigen sind es nur 34 Prozent.

Aktuell warten laut Vermittlungsstelle Eurotransplant in Deutschland mehr als 10.000 Kranke auf ein Spenderorgan. Der Deutschen Stiftung Organtransplantation zufolge hat die Zahl der Organspender in Deutschland 2017 mit nur 797 Spendern einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Jeden Menschen als das „geborene Ersatzteillager“ zu benutzen, ist ethisch mehr als erschreckend und vollkommen unakzeptabel. Niemand hat das ethische Recht auf verlängertes oder unendliches Leben. Die Akzeptanz, dass Leben früher oder später durch verschiedene Arten des Todes zuende geht, sollte ein für allemal geachtet werden. Für und von jedem Menschen. Heute ist es möglich, am Schicksalsrad zu drehen. Die einen verdienen daran Unsummen, die anderen forschen daran, manche erleben verlängertes Leben dadurch. Schauderhaft. Leben ist auf natürlichem Wege endlich – auch wenn der Tod durch unnatürliche Einflüsse herbeigeführt wird. Niemals möchte ich mit irgend einem Teil, einer Faser eines anderen Menschen mein Leben verlängern wollen.