Digitaler Wandel

Apotheker: Zusammenarbeit bei elektronischem Rezept

Absichtserklärung soll Modellprojekt den Weg ebnen/ Zunächst analoge und elektronische Verordnungen nötig

Die elektronische Verordnung (eVerordnung) wird perspektivisch die bislang üblichen Papierrezepte ablösen. Um verbindliche, deutschlandweite und industrieoffene Standards zu entwickeln, haben die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V., der ADAS – Bundesverband Deutscher Apothekensoftwarehäuser e.V. und der VDARZ – Bundesverband Deutscher Apothekenrechenzentren e.V. einen Letter of intent zur gemeinsamen Entwicklung und Umsetzung einer eVerordnung verabschiedet.

Anstoß eines Modellprojekts

Ziel ist die Umsetzung eines Modellprojektes, das eine Überführung in die Telematik-Infrastruktur erlaubt. Bisherige Ideen zur eVerordnung scheitern gerade an dieser Hürde. Besonderes Augenmerk legen die drei Partner auf die autonome Entscheidung des Patienten, wo und wie die Arzneimittelverordnung in die Apotheke gelangt.

In ihrem Brief heißt es: „ABDA, ADAS und VDARZ gehen bei der gemeinsamen Konzeption einer gemeinsamen eVerordnung von Anfang an davon aus, ein sogenanntes marktoffenes Modell zu entwickeln.“ Dieser Ansatz ermögliche es auch anderen Marktteilnehmern, über standardisierte Übertragungswege und Schnittstellen die Systemlösung zu nutzen.“ Das bekräftigt auch ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Er sagt: „Wir sind kein abgeschlossener Club – alle Apothekenrechenzentren und Softwarehäuser sind eingeladen, sich an der Entwicklung zu beteiligen.“

Schutz von Patienten- und Rezeptdaten

„Basis unserer technischen Entwicklungen wird die Telematik-Infrastruktur sein. Alle Lösungen, die wir erarbeiten, werden mit ihr kompatibel sein“, erläutert Lars Polap, Vorsitzender des ADAS. Werner Dick, Vorstandsvorsitzender des VDARZ: „Der umfassende Schutz von Patienten- und Rezeptdaten und deren Sicherheit sind für uns das wichtigste Kriterium bei der gemeinsamen Entwicklung der eVerordnung.“

Die Zusammenarbeit soll insbesondere auf berufspolitischer Ebene, der strategischen Ebene sowie der technischen Ebene erfolgen. Dazu würden im Rahmen der Zusammenarbeit die notwendigen Gremien bzw. Arbeitsgruppen initiiert, heißt es. Die drei Partner gehen davon aus, dass – zeitlich begrenzt – ein Nebeneinander von analogen und elektronischen Verordnungen notwendig sein wird.

Der Druck der Apotheker kommt nicht von Ungefähr. Wie die Deutsche Apotheker Zeitung kürzlich unter Berufung auf das Bundesgesundheitsministerium berichtete, würden die Arbeiten zur Einführung des E-Rezepts erst ab 2019 gestartet. Der Grund: Bis zur Einführung elektronischer Verordnungen, die beispielsweise in Teilen der USA schon verpflichtend vorgeschrieben und auch in einem Drittel aller europäischen Länder im Einsatz seien, wäre es noch ein langer Weg. Hierzu müssten zunächst eine digitale Infrastruktur aufgebaut werden, an die Arztpraxen wie auch Apotheken angeschlossen seine. Zweitens müssten die Funktionen der elektronischen Gesundheitskarte erneuert und erweitert werden. Dazu müssten beispielsweise auch die Lesegeräte in Arztpraxen ausgetauscht und neuartige Lesegeräte für Apotheker eingeführt werden.

Schubwirkung erwartet

Die Ärztezeitung kommentiert den Vorstoß ebenfalls: „Die Bemühung der ABDA, das E-Rezept voranzubringen, sind nicht zuletzt motiviert von der Lockerung des berufsrechtlichen Fernbehandlungsverbotes beim diesjährigen Ärztetag in Erfurt. Auch wenn sich dort einige Ärzte in einem Entschließungsantrag gegen gleichzeitige Fernverschreibungen ausgesprochen hatten, rechnen Branchenbeobachter damit, dass von wachsender Nachfrage nach Fernbehandlungen auch eine Schubwirkung zur Einführung des elektronischen Rezepts ausgehen wird.“

 

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