Analyse

Weniger Jugendliche nutzten Vorsorgeuntersuchung

Eine spezielle Vorsorgeuntersuchung für 12- bis 14-Jährige wird nach Daten der Techniker Krankenkasse (TK) immer weniger genutzt.

Gingen 2014 noch 66 Prozent der bei der Kasse versicherten Jugendlichen dafür zum Arzt, waren es 2017 nur noch 59 Prozent, wie die TK mitteilte. Die Jugendgesundheitsuntersuchung J1 wird von den gesetzlichen Kassen seit 1998 bezahlt und schließt an die U-Untersuchungen an, die innerhalb der ersten sechs Lebensjahre für Kinder vorgesehen sind. Das berichtet die dpa.

Bei der J1-Untersuchung werden Jugendliche körperlich gecheckt, um Fehlentwicklungen früh zu erkennen. Auch Impfungen werden überprüft. Daneben sprechen Ärzte über die seelische und soziale Entwicklung, wobei es auch um Probleme in der Schule oder den Umgang mit Drogen und Alkohol gehen kann. Der TK zufolge werde Jugendlichen diese Untersuchung zu einem biographischen Zeitpunkt angeboten, „der lebensgeschichtlich von bedeutsamen Veränderungen und Entwicklungsaufgaben geprägt ist“. Dazu gehörten unter anderem die Ablösung vom Elternhaus, die Entwicklung einer Rollenidentität und der Umgang mit einem veränderten Körperschema. Im Zuge der Bewältigung dieser Entwicklungsaufgaben stellten jugendliches Risikoverhalten, die Orientierung zur Gleichaltrigengruppe und die Distanzierung gegenüber Erwachsenen notwendige Bewältigungsstrategien zur Identitätsfindung dar. Es sei deshalb schwierig, die J1 als „medizinisches Kontrollsystem“ zu bewerben, da es dem entwicklungstypischen Empfinden und Handeln zunächst entgegensteht.

TK-Experte Mathias Brunner hierzu: „Es ist sehr sinnvoll diese Untersuchung wahrzunehmen, da so frühzeitig mögliche Pubertätsprobleme erkannt und behandelt werden können.“ Jugendliche befänden sich auf der Zwischenstufe zwischen Kind sein und Erwachsenwerden. Diese Dualität erfordere vom Arzt ein ehrliches Auftreten „auf Augenhöhe“, so die TK. „Wenn Jugendliche den Weg zu einem Arzt oder eine Ärztin gefunden haben, ist es daher besonders wichtig, dass sie sich willkommen und mit Ihren Anliegen und Problemen verstanden fühlen.“

Basis der Auswertung waren Daten von Jugendlichen zwischen 12 und 14 Jahren, die bei der TK versichert sind: 84 000 im Jahr 2014 und 87 000 im Jahr 2017.

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