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Neustart für Paracelsus: Klinik-Konzern will wieder wachsen

Der Privatklinik-Konzern Paracelsus steht vor einem Neuanfang / Allerdings ist die Sanierung noch nicht beendet

Michael Philippi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Paracelsuskliniken, gibt ein Interview in der Konzernzentrale. (Foto: dpa)

Michael Philippi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Paracelsuskliniken, gibt ein Interview in der Konzernzentrale. (Foto: dpa)

Nach der Übernahme des insolventen Klinikkonzern Paracelsus will der neue Eigentümer Porterhouse schnellstmöglich wieder in den Angriffsmodus schalten. Ziel sei es, dass das Unternehmen spätestens in zwei Jahren wieder wachsen könne, sagte der neue Vorsitzende der Geschäftsführung, Michael Philippi, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Osnabrück. Voraussetzung sei aber, dass zunächst die Sanierung des Konzerns vollendet werde.

Im Frühjahr hieß es, bis zum Jahresende könnte der Konzern wieder schwarze Zahlen schreiben. Doch bleibt es dabei? „Wir arbeiten hart dran, dass genau dieses Ziel erreicht wird. Die Sanierung während der Insolvenz war und ist schmerzhaft. Die Schließung der Häuser in Karlsruhe und in Bad Münster am Stein und ein auch darüber hinaus gehender Personalabbau an einer ganzen Reihe von Standorten waren Schritte, die noch nicht verkraftet, aber vollzogen sind. Wenn man die Konsequenzen und die Auswirkungen würdigt, sind wir guter Dinge, dass die Zahlen in die richtige Richtung zeigen und wir das Ziel am Ende des Jahres erreichen“, so Michael Philippi.

Zu wenig in Standorte investiert

Dem Vorsitzenden der Geschäftsführung zufolge gebe es in drei Bereichen Handlungsbedarf: „Paracelsus hat in den vergangenen Jahren zu wenig in die Standorte investiert. Das betrifft bauliche Themen gleichermaßen wie das tägliche Geschäft, wie Arbeitsmittel, Medizintechnik oder Informationstechnologie. Das gesamte Spektrum an Investitionsbedarf wird gerade aufgenommen.“ Zweitens müsse aus einer Gruppe von Krankenhäusern eine Krankenhausgruppe gemacht, Synergieeffekte gehoben werden, wie es andere Krankenhausgruppe in Deutschland vormachten, egal, in welcher Trägerschaft sie seien. „Dass das in den vergangenen Jahren nicht ausreichend geschehen ist, ist sicherlich eine Erklärung, warum die Gruppe in Schwierigkeiten geraten ist“, sagt Philippi. Und schließlich müsse auch das alltägliche Krankenhausmanagement, vom Einkaufsmanagement bis zur Leistungsabrechnung, verbessert werden.

Doch gibt es noch Sorgenkinder unter den Häusern? In Kassel habe man ein „herausragendes neurologisches Angebot“ mit einer großen Parkinson-Kompetenz. Dort bedürfe es der Ertüchtigung der baulichen Substanz. Die Klinik in München habe ein „sehr interessantes Leistungsspektrum auf dem besonderen Markt in München“, auch dort müsse ins Gebäude investiert werden. „Wir haben Standorte mit einer anspruchsvollen Wettbewerbssituation wie in Bad Ems oder in Osnabrück. Für jeden Einzelstandort ist ein Arbeitsprogramm zu entwickeln.“

Nach der Sanierung solle die Gruppe wieder wachsen. Es sei das erklärte Ziel, in den nächsten anderthalb bis zwei Jahren mit Paracelsus wieder Teil einer Wachstumsgeschichte zu sein.

Kurz vor Weihnachten 2017 hatte Paracelsus einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung gestellt. Dank eines neuen Eigentümers, der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Porterhouse Group AG, endete das Insolvenzverfahren am 1. August. Während der Insolvenz wurden in diesem Frühjahr zwei Häuser geschlossen und rund 400 Stellen gestrichen.

Zur Person: Michael Philippi (60) führte bis Ende 2016 acht Jahre lang die Sana Kliniken AG. Er war unter anderem Vizepräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken.

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