Technologie

Puerto Rico testet Drohnen für medizinische Notversorgung

Drohnen-Technologie schafft Zugang in abgelegene Gebiete/Lebenswichtige Infrastruktur vielerorts zusammengebrochen

In Puerto Rico wurden erfolgreich Drohnen getestet, um entlegene Gebiete mit medizinischer Notausstattung zu versorgen. Das Land hat immer noch mit den Auswirkungen des verheerenden Hurrikans „Maria“ im vergangenen Jahr mit fast 3000 Toten zu kämpfen.

„In einer Proof-of-Concept-Studie wurden klimatisierte Frachtcontainer zum Transport von Impfstoffen sowie nicht gekühlter Fracht, wie Asthma- und Bluthochdruck-Medikamenten, eingesetzt“, berichtet Healthcare IT News Australia.

Die große Mehrheit der jüngsten Todesfälle in Puerto Rico, so berichtet das Blatt, sei nicht direkt durch den Sturm verursacht worden, sondern durch nachfolgende Störungen der lebenswichtigen Infrastruktur und Dienstleistungen, wie dem Zugang zu Gesundheitsversorgung und Behandlung chronischer Krankheiten.

Andrew Schroeder, Direktor für Forschung und Analyse bei der Organisation für humanitäre Hilfe „Direct Relief“, zeigt sich nun überzeugt, dass der Hurrikan die Innovation in der Katastrophenhilfe und die Widerstandsfähigkeit der Gesundheitssysteme gefördert habe. „Im Notfall müssen wir schnell Medikamente an abgelegene Orte bringen, die sonst nur mit dem Hubschrauber erreichbar wären“, sagte er der Zeitung. „Wir gehen davon aus, dass Drohnen-Technologie und Systeme zur Bewältigung dieser Probleme Leben retten können, wenn Katastrophen den Zugang zu einer dringend benötigten Gesundheitsversorgung verhindern.“

Die Machbarkeitsstudie ist eine Zusammenarbeit von Direct Relief, Merck, die das Projekt finanziert und die Medikamente für die Lieferung bereitstellt, Softbox, die kleine klimatisierte Verpackungssysteme für den Transport von Kühlkettenmedikamenten geliefert hat, AT&T, deren IoT-Technologie die Temperatur und Lage der Fracht überwacht, und Volans-i, das die Drohnen bereitstellt und betreibt.

Dörfer über Monate abgeschnitten

Bei den Versuchen wurden dem Blatt zufolge Drohnen eingesetzt, die über Land und auf See, jenseits der Sichtlinie, in unwegsames Gelände flogen und Medikamente in entlegene Bergdörfer brachten, die nach dem Hurrikan „Maria“ monatelang von der Stromversorgung abgeschnitten waren. Einige von ihnen seien temporär nur per Hubschrauber erreichbar gewesen.

Richard Wood, Technischer Direktor von Softbox, sagte, SKYPOD, die IoT-fähige, klimatisierte Verpackung, sei speziell für Drohnenanwendungen unter extremen Bedingungen entwickelt worden.

 

„SKYPOD kann nahezu in Echtzeit verfolgt werden. Es liefert Echtzeitdaten für Temperatur, GPS-Ortung und Sicherheit und gewährleistet den Schutz der Medikamente während der schwierigsten Szenarien“, sagte er.

Studie enthüllt neue Opferzahlen

Erst Ende August hat die Regionalregierung des US-Außengebietes Puerto Rico die offizielle Zahl der Todesopfer nach dem Hurrikan „Maria“» von bisher 64 auf 2975 hochgesetzt, berichtet die dpa. Gouverneur Ricardo Rosello erteilte den Behörden eine entsprechende Anweisung, nachdem eine Studie mit der neuen Opferzahl der George-Washington- Universität bekannt geworden war.

Nach der Untersuchung der Wissenschaftler, die von der Regionalregierung in Puerto Rico mit initiiert worden war, starben in den sechs Monaten, nachdem „Maria“ auf Land getroffen war, 2975 Menschen, deren Tod in Zusammenhang mit der Katastrophe in dem US-Außengebiet gebracht werden kann. Es handelt sich also nicht nur um Todesfälle, die der Sturm unmittelbar verursacht hatte.

Die Studie vergleicht die Sterblichkeit in Puerto Rico in den sechs Monaten nach dem Hurrikan mit der in Jahren, in denen kein Wirbelsturm gewütet hatte. Sie bezog auch die Sterblichkeit unter den Menschen mit ein, die die Insel wegen des Sturmes hatten verlassen müssen. Es handelt sich um eine rein statistische Studie, die genauen Todesursachen wurden nicht untersucht.

Der US-Bundesregierung von Donald Trump war seit langer Zeit vorgeworfen worden, die Unwetterfolgen im von Latinos bevölkerten, spanischsprachigen Puerto Rico, anders als etwa in ebenfalls betroffenen US-Bundesstaaten wie Florida oder Texas, nicht ausreichend bekämpft zu haben.

Infrastruktur zusammengebrochen

Unter anderem litten die Menschen in Puerto Rico monatelang unter dem Ausfall von Strom. Dies wiederum behinderte die Bergungs- und Aufräumarbeiten. Auch die Versorgung mit Trinkwasser war teilweise unterbrochen. Fast ein Jahr nach dem Sturm ist die Stromversorgung noch immer nicht vollständig wiederhergestellt. Die Studie fand heraus, dass insbesondere in armen Gebieten mit schlechter Infrastruktur die Sterblichkeit besonders stark nach oben ging.

Das Weiße Haus verteidigte seine Linie. Die Bundesregierung habe 12.000 Mann starke Hilfsmannschaften nach Puerto Rico geschickt und jede mögliche Hilfe erteilt. Trump habe angeordnet, die Notfallkosten für Puerto Rico für ein volles Jahr zu 100 Prozent über den Bund zu tragen, dies habe es niemals zuvor gegeben. Die Bundesregierung werde Puerto Rico noch auf Jahre helfen, teilte Trumps Sprecherin Sarah Sanders mit. Der Fokus liege jetzt auch bereits auf der Vorbereitung für mögliche neue Hurrikane.

Gouverneur Rosello räumte im US-Sender CBS Fehler ein. Die Verantwortung für die hohe Opferzahl liege auf vielen Seiten, sagte er. „Und ich habe meinen Teil an Verantwortung.“ Puerto Rico sei auf eine solche Katastrophe unzureichend vorbereitet gewesen. „Die vorhandenen Pläne waren tatsächlich für ein Ereignis von viel geringerem Ausmaß erstellt worden.“

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