Digitalisierung

Big Data soll medizinische Versorgung für Kinder verbessern

Forscher wollen mit Daten aus Patientenregistern Versorgungslücken bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen schließen

Big Data soll die medizinische Versorgung für Kinder und Jugendliche verbessern. Dazu kooperieren (v.l.) Prof. Dr. Keywan Sohrabi, PD Dr. Jan De Laffolie und Prof. Dr. Volker Groß. Foto: Meltem Catikkaya

Big Data soll die medizinische Versorgung für Kinder und Jugendliche verbessern. Dazu kooperieren (v.l.) Prof. Dr. Keywan Sohrabi, PD Dr. Jan De Laffolie und Prof. Dr. Volker Groß. Foto: Meltem Catikkaya

Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sind unheilbare Darmerkrankungen, bei denen durch Veränderungen in der Darmschleimhaut Entzündungen hervorgerufen werden, die das Darmgewebe dauerhaft schwächen. Die beiden Erkrankungen gelten als Hauptvertreter der so genannten chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Etwa 20 Prozent der Betroffenen erkranken in den ersten zwanzig Jahren ihres Lebens; nicht selten sind sie jünger als zehn. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, schnell mit einer wirksamen Therapie zu beginnen, da die Erkrankung die körperliche, psychosoziale und berufliche Entwicklung gefährdet. Das berichtet die Justus-Liebig-Universität Gießen.

Versorgungsdefizite verringern

Bei der Versorgung der jungen Patientinnen und Patienten sollen künftig neue E-Health-Technologien auf Basis umfangreicher Daten aus dem Patientenregister CEDATA der kindergastroenterologischen Fachgesellschaft helfen. Mit knapp 1,3 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds fördert der Gemeinsame Bundesausschuss, das höchste Gremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, ein Forschungsprojekt von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM).

Unter der Federführung von PD Dr. Jan De Laffolie, dem Leiter der Kindergastroenterologie, sollen unter anderem die bestehenden Daten konsolidiert und durch neue Datensätze und Analysemethoden ergänzt werden, um herauszufinden, ob sich so individuelle Versorgungsdefizite verringern lassen. „Wir sind dazu verpflichtet, die Kinder und Jugendlichen mit CED bestmöglich zu versorgen“, betont Dr. De Laffolie. „Dazu müssen wir uns vernetzen und aus den gemeinsam gewonnenen und analysierten Daten lernen, um den Patientinnen und Patienten das Leben mit der Krankheit weiter zu erleichtern.“

Schlüsse für die individuelle Therapie

Als Projektverantwortliche an der THM bringen Prof. Dr. Keywan Sohrabi und Prof. Dr. Volker Groß vom Fachbereich Gesundheit ihre Kompetenzen auf den Gebieten Big Data, Data Mining und E-Health in den Forschungsverbund ein. „Die Medizininformatik ist heute in der Lage, riesige Datenmengen zu verarbeiten. Für die Zukunft der Medizin ergeben sich daraus ganz neue Perspektiven. Wir können so zum Beispiel aus der Analyse von anonymisierten Patientendatenbanken Schlüsse für die individuelle Therapie ziehen“, erläutert Prof. Sohrabi. Unterstützt wird das Wissenschaftlerteam durch Prof. Dr. Henning Schneider, Dekan des Fachbereichs Gesundheit der THM und Leiter des Instituts für Medizinische Informatik der JLU.

Im Projektverlauf soll auch die Akzeptanz des Online-Registers erhöht werden. Zudem soll Big Data dabei helfen, neue Algorithmen zu entwickeln, um Ärztinnen und Ärzte bei ihren Therapie-Entscheidungen zu unterstützen. CEDATA ist ein Patientenregister, das durch die Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) geführt wird und seit 2004 klinische und paraklinische Diagnose- und Therapie-Daten von Kindern und Jugendliche mit CED erhebt. Insgesamt wurden ca. 4.500 Kinder und Jugendliche und rund 35.000 Patientenkontakte dokumentiert. Techniken und Analysen aus dem Bereich E-Health und Big Data sind besonders geeignet, um im Querschnitt unterschiedliche Krankheitssituationen zu erkennen.

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