Urteil

Patent auf Hepatitis-Medikament bleibt mit Änderungen

US-Unternehmen hat Monopolstellung / Behandlung mit patentiertem Medikament kostet mehrere Zehntausend Euro

Ein Pfleger kümmert sich in einem Klinikum in Hamburg auf der Intensivstation um einen Patienten mit Hepatitis C. Foto: dpa

Ein Pfleger kümmert sich in einem Klinikum in Hamburg auf der Intensivstation um einen Patienten mit Hepatitis C. Foto: dpa

Das US-Pharma-Unternehmen Gilead darf sein umstrittenes Patent auf ein Hepatitis-C-Medikament behalten, allerdings mit Änderungen. Das hat das Europäische Patentamt kürzlich in München entschieden. Die Organisationen „Ärzte ohne Grenzen“ und „Ärzte der Welt“ und weitere Organisationen aus insgesamt 17 Ländern scheiterten demnach weitgehend mit ihrem Versuch, das Patent auf den Wirkstoff Sofosbuvir aufheben zu lassen.

Nach Angaben von „Ärzte ohne Grenzen“ können 90 Prozent der Hepatitis-C-Patienten, die mit Sofosbuvir behandelt werden, in zwölf Wochen geheilt werden. Durch das europäische Patent hat Gilead aber eine Monopolstellung und kann hohe Preise für den Wirkstoff verlangen. Was genau am Patent geändert werden muss, blieb zunächst unklar berichtet die dpa.

In Europa verlangt der Unternehmen nach Angaben von „Ärzte ohne Grenzen“ für eine zwölfwöchige Therapie bis zu 43.000 Euro. Das Unternehmen spricht von 30.000 Euro für acht Wochen. In Ländern, in denen Sofosbuvir nicht von Patenten geschützt ist, kostet die zwölfwöchige Behandlung dagegen laut „Ärzte ohne Grenzen“ nur rund 52 Euro. Nach Angaben eines Sprechers des Patentamtes können die Organisationen Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen.

Hohe Belastung der Gesundheitssysteme

Ärzte der Welt e.V. kommentiert das Urteil: „Ärzte der Welt ist überzeugt, dass das Patent unverdient erteilt wurde. Es behindert den Zugang Hunderttausender Patienten in Europa zu einer bezahlbaren Behandlung. Dieser Fall zeigt, wie Pharmaunternehmen das Patentsystem missbrauchen, indem sie Patente nur für die eigenen ökonomischen Interessen nutzen.“

Dieser Missbrauch des Patentsystems ermögliche Monopole und erlaube Unternehmen, exorbitante Preise für lebenswichtige Medikamente zu kassieren. Die massive finanzielle Belastung der europäischen Gesundheitssysteme gehe letztendlich auf Kosten der Beitragszahler. Bis heute seien so bereits rund 8,5 Milliarden Euro in die Taschen von Gilead geflossen. Das treibe die Gesundheitssysteme an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Viele Länder seien sogar gezwungen, die auf Sofosbuvir basierende Behandlung, die die aktuell wirkungsvollste sei, zu rationieren.

„Wir sehen diese Entscheidung des Europäischen Patentamts mit großer Sorge. Das Patentsystem in Europa funktioniert nicht. Wir befürchten, dass dies Konsequenzen für die vielen neuen Krebsmedikamente hat, die derzeit auf den Markt kommen. Ihr Preis ist sogar zehnmal höher als der Preis von Sofosbuvir“, sagt Olivier Maguet von der Ärzte der Welt-Medikamentenkampagne.

Fast 400.000 Tote pro Jahr

Ein Gilead-Sprecher betonte, der Wirkstoff Sofosbuvir werde von vielen Patenten geschützt. Das Patent, um das es jetzt gehe, habe keinen Einfluss darauf, ob das Unternehmen den Wirkstoff in Europa exklusiv herstellen und verkaufen könne. Sollte das Einspruchsverfahren für Gilead negativ verlaufen, werde das Unternehmen dagegen vorgehen, weil Patente „das Fundament sind für pharmazeutische Innovationen“, so der Sprecher noch vor der Entscheidung.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit rund 71 Millionen Menschen mit Hepatitis C infiziert, 399.000 Patienten sterben jedes Jahr daran. Im Europa sind demnach 15 Millionen Menschen chronisch mit Hepatitis C infiziert. Pro Jahr sterben hier 112.500 Patienten sterben an Leberkrebs oder Leberzirrhose.

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