Arbeitsmarkt

Ärzte- und Pflegemangel: Zuwanderer sollen Abhilfe bringen

Gesundheitssystem braucht Zuwanderer/ Unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen

Zuwanderer sollen in der Pflege für Abhilfe sorgen. (Foto: dpa)

Zuwanderer sollen in der Pflege für Abhilfe sorgen. (Foto: dpa)

In Deutschland fehlen Tausende Pflegekräfte und Ärzte. Viele Experten sagen, das System würde ohne Personal aus dem Ausland kollabieren.

In Deutschland werden in zunehmendem Maße Flüchtlinge zu Pflegern ausgebildet und arbeiten Zugewanderte als Mediziner. Maike Tölle von der Katholischen Hospitalvereinigung KHWE sagt: «Im Moment ist Zuwanderung die einzige Option. Es werden viel zu wenig Mediziner in Deutschland ausgebildet. Die Politik hilft uns sehr wenig. Hätten wir die ausländischen Assistenzärzte und Pfleger nicht, würde unser Gesundheitssystem zusammenbrechen.» Die große Koalition hatte gerade erst eine Trendwende gegen den Pflegenotstand und mehr Personal versprochen. Ohne ausländische Kräfte sei es kaum noch möglich, eine Klinik oder Pflegeeinrichtung zu betreiben, sagt auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

In der Pflege werden im Jahr 2035 etwa 280 000 Kräfte fehlen. So lautet die Prognose von Arbeitsmarktforscher Tobias Maier vom Bundesberufsbildungsinstitut BIBB. Qualifizierte Einwanderung würde helfen, sagt er.

Ressentiments gegenüber sichtbar nicht-deutschen Pflegern gebe es selten, berichtet Hans-Peter Knips vom „Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste“: „Wenn ein Angehöriger sieht, dass ein Dunkelhäutiger seine Mutter pflegt, kann das auch gegen Fremdenfeindlichkeit wirken.» Bisher sei kein Azubi von Abschiebung bedroht gewesen. Sie seien während ihrer dreijährigen Fachkraft-Ausbildung und zwei anschließenden Berufsjahren «geschützt». 

Die ausländischen Kollegen werden von den Angestellten des Neusser Lukaskrankenhauses als bereichernd empfunden. «Deutschland ist leider etwas arrogant, was die Anerkennung von Berufsabschlüssen anderer Länder angeht», kritisiert Pflegedienstleiterin Andrea Albrecht. Obwohl der Beruf der Krankenschwester in vielen Ländern mit einem Hochschulstudium verbunden sei, müssten die Fachkräfte hierzulande sogar noch Anerkennungspraktikum und Schulbesuch nachweisen. 

Albrecht sieht viele Hürden für ausländische Pflegekräfte, allen voran die uneinheitlichen Anforderungen und Verfahren für eine Berufserlaubnis. Laut Mediendienst Integration arbeiteten 2017 bundesweit etwa 134 000 ausländische Pflegefachkräfte und -helfer, rund 3900 von ihnen kamen aus den wichtigsten acht Asylherkunftsstaaten wie Syrien, Afghanistan oder Irak.

Bei der Approbation für Mediziner aus Nicht-EU-Ländern gibt es ebenfalls stark voneinander abweichende Verfahren. Die Länder handhaben die Anerkennungen unterschiedlich, was laut Jürgen Herdt von der Stabsstelle der Ärztekammer Westfalen-Lippe trotz einiger Verbesserungen manchmal zu Problemen führe. Trotz des großen Bedarfs an Medizinern dürfe die Messlatte bei den fachlichen und sprachlichen Qualifikationen jedoch auch nicht zu niedrig angesetzt werden, so Herdt. Das gelte umso mehr, „wenn vier von fünf Kollegen auf einer Station nicht Deutsch-Muttersprachler sind“.

Nicht-EU-Mediziner müssen für ihre Zulassung eine Kenntnisprüfung ablegen, bei der alle Inhalte des deutschen Medizinstudiums abgefragt werden können. Eine zusätzliche Fachsprachen-Prüfung nehmen die Landesärztekammern ab. Allerdings seien die Prozesse häufig sehr undurchsichtig, so die Kritik vieler Kliniken.  

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