Medizintechnik

Patientenschützer fordern ethische Grenzen für Pflegeroboter

Roboter sollen die Pflege von Mensch zu Mensch nicht ersetzen dürfen / Im Fokus der Forschung stehen unterstützende Geräte

Eine Mitarbeiterin des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) präsentiert einen Assistenzroboter. Foto: dpa

Eine Mitarbeiterin des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) präsentiert einen Assistenzroboter. Foto: dpa

Für einen künftigen Einsatz von Robotertechnik in der Pflege sind aus Sicht von Patientenschützern ethische Vorgaben nötig. „Roboter können in der Pflege helfen, aber sie dürfen die Pflege von Mensch zu Mensch nicht ersetzen“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. Gebraucht werde ein Diskurs darüber, wie eine Würde wahrende Pflege und moderne Technik verbunden werden könnten. „Der Bundestag ist gefordert, eine Kommission ‘Ethik und Automatisierungstechnik in der Pflege‘ einzusetzen.“ Zudem sollte es eine breite gesellschaftliche Diskussion über Chancen und Risiken von Pflegerobotern geben.

Laut einer Umfrage* für den Digitalverband Bitkom glaubt eine Mehrheit der Bundesbürger an einen künftigen Einsatz von Robotertechnik in der Pflege. 57 Prozent der mehr als 1000 Befragten rechnen demnach in zehn Jahren mit Roboter-Unterstützung für Pflegekräfte bei schweren Arbeiten, etwa in Form von Roboterarmen. Etwas skeptischer bewerten die Befragten Service-Roboter, die etwa Essen servieren – aber noch knapp jeder Zweite (45 Prozent) hält dies für wahrscheinlich.

Vorbild Japan

In Japan ist der menschenähnliche Roboter bereits auf dem Markt und unterhält Senioren zum Beispiel mit Tai-Chi oder Ratespielen, berichtet die dpa an anderer Stelle. Dort seien die Veränderungen schon viel weiter vorangeschritten, sagt Rainer Wieching, der ein gemeinsames Projekt mit dem Roboter „Pepper“ der Universität Siegen, der Computerfirma C&S und der Fachhochschule Kiel koordiniert. Auch weil in Japan die Bevölkerung extrem überaltert ist, sollen dort verstärkt Maschinen Betreuungsaufgaben übernehmen. Schon länger im Einsatz ist etwa eine Roboterrobbe mit kuscheligem Fell, eine Art Haustierersatz für Altenheim-Bewohner.

In Deutschland sind der jüngsten Statistik von 2015 zufolge knapp 2,9 Millionen Menschen auf ambulante und stationäre Pflege angewiesen, die Zahl könnte sich bis zum Jahr 2030 auf etwa 3,6 Millionen erhöhen. Schon jetzt herrscht Fachkräftemangel, Stellenangebote für examinierte Altenpfleger bleiben im Schnitt 171 Tage unbesetzt.

Selbstständigkeit der Senioren verlängern

Der Roboter kann den Menschen nicht ersetzen, das betonen Experten immer wieder. Bei den digitalen Angeboten, die derzeit auf Messen zu sehen sind, überwiegen Hilfen, die den Alltag erleichtern. So gibt es Systeme, die an die Medikamenten-Einnahme erinnern. Ein intelligentes Pflegepflaster erkennt über Sensoren die Gefahr des Wundliegens und benachrichtigt das Personal. Absolut im Kommen ist auch das sogenannte Smart Home. Damit gemeint sind Assistenzsysteme, die Senioren unterstützen, um möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben zu können.

Bereits Preise eingeheimst hat der interaktive Therapieball des Start-up-Unternehmens Ichó. Die in verschiedenen Farben leuchtende Kugel unterscheidet, ob sie geworfen, gehalten oder gestreichelt wird. Man kann sie auf die individuellen Bedürfnisse des Nutzers einstellen. Steffen Preuß, Absolvent der Hochschule Düsseldorf, hat Ichó mit zwei Kommilitonen gegründet. Hintergrund war die Demenzerkrankung seiner Großmutter. Mit dem Ball sollen Demenzkranke spielerisch Kontakt untereinander oder zu Angehörigen aufnehmen. Ende 2018 soll der Ball auf den Markt kommen.

Wie die Pflege von morgen technisch unterstützt werden kann, ist eine zentrale Frage. Unter wissenschaftlicher Begleitung erprobt wird dies seit Jahresbeginn auch in vier sogenannten Pflegepraxiszentren in Hannover, Freiburg, Nürnberg und Berlin. Das Bundesforschungsministerium stellt für diesen Verbund „Zukunft der Pflege“ bis 2022 bundesweit 20 Millionen Euro zur Verfügung.

*Die Umfrage wurde von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt. Befragt wurden 1004 Deutsche ab 18 Jahren in den Kalenderwochen 34 bis 36 dieses Jahres. Fragestellung: „Bitte schätzen Sie ein, wie stark die folgenden digitalen Anwendungen in zehn Jahren in der Pflege in Deutschland verbreitet sein werden.“

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