Gesundheitsmarkt

Nahrungsergänzung: Magnesium und Vitamin C am meisten gekauft

Vitamine und Mineralstoffe machen zwei Drittel des Markts aus / Branche erlebt starken Wettbewerb

Grafik: obs/BLL - Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V.

Grafik: obs/BLL – Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V.

Wer seine Ernährung mit Vitaminen oder Mineralstoffen ergänzt, greift dabei besonders gerne zu Magnesium und Vitamin C. Das belegen aktuelle Zahlen einer Marktanalyse von Insight Health, die im Auftrag des Arbeitskreises Nahrungsergänzungsmittel des Bunds für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) durchgeführt wurde.

Die Klassiker unter den Nahrungsergänzungsmitteln sind Vitamine und Mineralstoffe, die zwei Drittel des gesamten Nahrungsergänzungsmittel-Markts ausmachen. Dabei sind Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin C innerhalb des Segments der Vitaminprodukte führend, gefolgt von Multivitaminen (mit oder ohne Mineralien), Vitamin B12, Vitamin A und D (rein oder als Kombipräparat) und Vitamin-B-Präparaten. Positives Wachstum zeigen aber insbesondere kleinere Produktsegmente wie Vitamin A und D sowie B-Vitamine. Bei den Mineralstoffen ist, trotz eines leichten Rückgangs, Magnesium mit Abstand am beliebtesten, gefolgt von Calcium, sonstigen Mineralstoffpräparaten, Präparaten, die den Säure-Basenhaushalt regulieren, Zink und Kalium. Im Aufwind sind hier vor allem Zink und Kalium.

Der Markt an Nahrungsergänzungsmitteln ist stark fragmentiert. Die Top-20-Hersteller stehen für gerade einmal 51 Prozent des Umsatzes und nur knapp 38 Prozent des Absatzes.

Antje Preußker aus der wissenschaftlichen Leitung beim BLL, die den Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel betreut, erklärt dazu: „Die vergleichsweise hohe Anzahl an Anbietern von Nahrungsergänzungsmitteln bedingt einen starken Wettbewerb, der wiederum die Kreativität und Innovationsbereitschaft der Hersteller fordert. Dadurch können die Anwender aus einer breiten Produktpalette das für sie passende Produkt aussuchen.“

Drogeriemärkte als größter Vertriebskanal

Gekauft werden Nahrungsergänzungsmittel zum größten Teil in Drogeriemärkten (41,4 Prozent) und jede dritte Packung im Lebensmitteleinzelhandel (32,5 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr haben die Drogeriemärkte mit einem Plus von 10,5 Prozent den Lebensmitteleinzelhandel damit als größten Vertriebskanal nach Absatz abgelöst. Auch der Apothekenversandhandel kann ein Absatzwachstum verzeichnen, wenn auch auf einem noch vergleichsweise geringen Niveau.

Insgesamt wurden in Deutschland im Jahr 2018* 225 Millionen Packungen Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Das sind 12 Millionen Packungen mehr als im Jahr 2017**. In Umsatzzahlen ausgedrückt: Der Umsatz ist von 1,31 Milliarden Euro (2017) auf 1,44 Milliarden Euro (2018) gestiegen. Antje Preußker erläutert: „Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel zeigt eine positive Umsatz- und Absatzentwicklung. Das ist vor allem auf die allgemein gute Konsumstimmung zurückzuführen, die sich natürlich auch bei der Nahrungsergänzung wiederspiegelt. Hinzu kommt, dass viele Menschen etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun wollen.“ Der Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel lässt die Marktanalyse zu Nahrungsergänzungsmitteln alle zwei Jahre erstellen.

Nutzen von Nahrungsergänzungsmittel umstritten

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist jedoch umstritten. So würden etwa Vitaminpillen laut einer Studie nicht das Risiko, an einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt zu erkranken, senken. Verbraucher sollten lieber auf eine gesunde Ernährung achten und ihr Geld in einen Sportverein investieren, empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) in einer gemeinsamen Mitteilung. Sie berufen sich auf eine Übersichtsstudie von US-Medizinern um den Kardiologen Dr. Joonseok Kim. Diese haben unter anderem 18 Studien mit mehr als zwei Millionen Teilnehmern ausgewertet, so die dpa.

Das Ergebnis sei ernüchternd und zeige, dass die Nahrungsergänzungsmittel keinen Nutzen für die Bevölkerung hätten, sagte DGN-Generalsekretär Peter Berlit. Die US-Forscher haben auch nach Gruppen gesucht, die möglicherweise doch von Nahrungszusätzen profitieren könnten. Das Ergebnis sei aber stets negativ geblieben, egal, wie lange die Präparate eingenommen wurden, wie alt die Studienteilnehmer waren, ob Mann oder Frau, Raucher oder Nichtraucher, sportlich oder nicht, hieß es in der Mitteilung.

„Von diesen Pillen profitieren nur Hersteller und Verkäufer. Es ist hingegen eindeutig erwiesen, dass Salat, Obst und Gemüse Gefäßerkrankungen entgegenwirken“, betonte der DSG-Vorsitzende Armin Grau.

*April 2017 bis März 2018
**April 2016 bis März 2017

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