Technologie

Künstliche Intelligenz: Bundesregierung muss Tempo machen

500 Millionen will die Bundesregierung für KI-Entwicklung jährlich bereitstellen / Potentiale für Gesundheitsbranche

Künstliche Intelligenz ist nach Einschätzung des Digitalverbands Bitkom „die wichtigste Schlüsseltechnologie der kommenden Jahrzehnte“. Für die Etablierung entsprechender Lösungen forderte der Verband ambitionierte Maßnahmen der Bundesregierung. „Für die Wirtschaft bedeutet KI eine neue Stunde Null“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. „Es muss uns gelingen, die vielfältigen Chancen der KI für alle Lebensbereiche nutzbar zu machen – von der Medizin über die Mobilität bis zur Bildung.“

Anfang Dezember debattiert die Bundesregierung in Nürnberg ihre weitere Strategie dazu, wie die Digitalisierung im Land beschleunigt und gestärkt werden kann. Künstliche Intelligenz wird dort ein zentrales Thema sein, erst Mitte November hatte die Bundesregierung ihre Strategie zur Etablierung entsprechender Lösung beschlossen. Damit soll Deutschland und Europa zu einem führenden Standort für KI werden.

KI als Chance

„Die KI-Strategie der Bundesregierung ist ein Aufbruchssignal“, sagte Berg. „Jetzt müssen wir an die Arbeit gehen.“ Wie eine Studie des Bitkom ergab, sehen inzwischen 62 Prozent der Bundesbürger in Künstlicher Intelligenz eher eine Chance, vor einem Jahr lag der Anteil demnach noch bei 48 Prozent. Während 2017 noch 47 Prozent der Befragten KI eher als Gefahr einstuften, tun dies aktuell nur noch 35 Prozent. Auch mit Blick auf die zunehmend positive Einstellung in der Bevölkerung forderte Berg konkrete Maßnahmen und einen ehrgeizigen Zeitplan. Auch die jährlich vorgesehenen 500 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt würden dazu nicht reichen.

Auf Unternehmens-Seite sieht die aktuelle Lage allerdings noch ernüchternd aus: Wie die Wirtschaftsberatung Deloitte in einer Untersuchung ermittelte, nutzt rund ein Viertel der Unternehmen in Deutschland zwar die Möglichkeiten der Analyse großer Datenmengen (Big Data), doch Künstliche Intelligenz setzen lediglich neun Prozent aktiv ein, acht Prozent arbeiten daran und 21 Prozent haben entsprechende Pläne für die Zukunft. Zwei Drittel gaben demnach an, dass KI für sie weitgehend irrelevant sei.

Transformation der Gesundheitsbranche

Gerade in der Medizin könnte der Einzug von KI zu einer Revolution führen: Schon jetzt können Maschinen in Scans aus dem Computertomographen oder Röntgenbildern Anzeichen einer Krankheit oft besser und schneller Entdecken als Menschen. So berichtet etwa der Mediziner und Informatiker Prof. Klaus Juffernbruch im Gespräch mit dem Portal medizin & technik über die Vorteile von KI:

„Bei der Bilderkennung ist heute schon klar, dass Systeme mit künstlicher Intelligenz schneller sind als Menschen und weniger Fehler machen. Also ließe sich damit die Qualität der Diagnose verbessern. Um Diagnose geht es auch bei Patienten mit seltenen Krankheiten, die heute oft eine Odyssee hinter sich bringen müssen, bis sie einen Arzt treffen, der die Symptome richtig deutet. Mit KI-Systemen wäre das gesamte aktuelle medizinische Wissen in jeder Hausarztpraxis verfügbar. Dort könnte das, was die KI liefert, wie die Zweitmeinung eines Arztes genutzt werden. Ich gehe davon aus, dass wir so etwas in einigen Jahren haben und es vor Gericht als Kunstfehler gelten wird, wenn ein Arzt diese Möglichkeit nicht nutzt. Ein weiterer Punkt ist der Arztmangel, vor allem in ländlichen Gegenden.“

Er gibt aber auch zu bedenken: „Wenn wir künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen nutzen wollen, müssen wir ihre Qualität sichern – auch wenn wir den Weg nicht nachvollziehen können, auf dem das System zum Ergebnis kam.“ Noch sei die Technik so neu, dass es für die Qualitätssicherung keine etablierten Regeln gebe.

Nach Einschätzung der internationalen Managementberatung Bain & Company zählt der Gesundheitssektor derzeit noch zu den Spätzündern in puncto Digitalisierung. Doch der Markteintritt der Hightech-Konzerne sowie neue Technologien wie Advanced Analytics, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen beschleunigen auch hier das Tempo der Transformation. Die Zukunft gehöre der individualisierten Behandlung, basierend auf der Gesundheitshistorie eines Menschen, auf genetischen Informationen des einzelnen Patienten, die immer einfacher und billiger zu erhalten sind, sowie auf dessen persönlichen Bedürfnissen. Die Experten sehen den Gesundheitssektor vor einer Zeitenwende, in der ein wesentlicher Faktor die Transformation erleichtert: „Die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen wird in den kommenden Jahren weiter steigen – und zwar unabhängig von der konjunkturellen und politischen Entwicklung.“

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