Analyse

Digitalisierung baut Ärzte-Bürokratie nicht automatisch ab

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens steigt an, hiflt beim Abbau der Bürokratie aber nicht automatisch.

Die Digitalisierung ist das Herzstück des technologischen Wandels auch im Gesundheitsbereich. (Foto: dpa)

Die Digitalisierung ist das Herzstück des technologischen Wandels auch im Gesundheitsbereich. (Foto: dpa)

„Die Zahl der Stunden, in denen sich Ärztinnen und Ärzte mit Bürokratie beschäftigen, steigt weiter an. Verbindliche Abbauziele sind zwar vorhanden, doch die Verhandlungen dazu gestalten sich offenbar schwierig“, das berichtet das Deutsche Ärzteblatt. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens helfe beim Abbau aber nicht automatisch.

Dem dritten Bürokratieindex für Ärzte und Psychotherapeuten (BIX) zufolge, sei der bürokratische Aufwand 2018 im Vergleich zum Vorjahr erneut um 0,6 Prozentpunkte gestiegen. Mit anderen Worten: Niedergelassene Ärzte haben 2018 etwa 323.000 Stunden mehr mit bürokratischen Aufgaben verbracht als im Jahr 2017.

Hauptfaktoren dieser Entwicklung seien demnach Folgen des demografischen Wandels. Dazu zählten zum Beispiel eine gestiegene Nachfrage nach medizinischen Leistungen, aber auch mehr Dokumentationen, Formulare für Krankenfahrten und Bescheinigungen etwa für Menschen mit einer Demenzerkrankung. Daneben spielten Bescheinigungen der Arbeitsunfähigkeit (AU) im Krankheitsfall eine wesentliche Rolle. Hier sei ein Aufwand von 4,9 Millionen Nettoarbeitsstunden gezählt worden.

Laut dem Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. rer. soc. Thomas Kriedel, könne ein Bürokratieabbau jedoch nicht automatisch mit der fortschreitenden Digitalisierung im Gesundheitswesen funktionieren. Seiner Ansicht nach müsse man darauf achten, durch digitale Prozesse nicht mehr Bürokratie oder Zeitaufwand in den Praxen entstehen zu lassen. Als Beispiel nannte er das E-Rezept, bei dem er intelligente Systeme für die Signatur forderte, so das Deutsche Ärzteblatt.

Insgesamt erfasse der Bürokratieindex 395 Informationspflichten, die aus dem Verantwortungsbereich des Gemeinsamen Bundesausschuss, dem Bundesmantelvertrag- Ärzte, den Informationspflichten der Bundesärztekammer sowie aus Vereinbarungen der KBV mit Kostenträgern stammten. Dabei seien Verordnungen und Bescheinigungen der größte Teil, gefolgt von Informationen an die Kostenträger.

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