Lehre

Medizin: Bis zu 20 Prozent aller Studienplätze für Landärzte

Mecklenburg-Vorpommern will „Landarzt-Quote“ / Verpflichtung für zehn Jahre

Wer einen Studienplatz über die Quote bekommt, mit dem soll ein Vertrag geschlossen werden. (Foto: dpa)

Wer einen Studienplatz über die Quote bekommt, mit dem soll ein Vertrag
geschlossen werden. (Foto: dpa)

Mehr Ärzte für Mecklenburg-Vorpommerns ländlichen Raum: Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) hat kürzlich im Landtag ein Gesetz angekündigt, mit dem künftig 10 bis 20 Prozent der Medizin-Studienplätze an den Universitäten Rostock und Greifswald an junge Menschen vergeben werden sollen, die sich verpflichten, ihre ersten zehn Arbeitsjahre als Arzt in einem unterversorgten ländlichen Gebiet zu verbringen. Das berichtet die dpa.

Die Bewerber sollen keinen Zensurendurchschnitt von 1,0 oder 1,2 mitbringen müssen, was aktuell für ein Medizinstudium aufgrund des großen Andrangs üblich ist. Sie sollen dafür in einem Eingangstest ihre Eignung für den Arztberuf beweisen. Bei 400 Medizin-Studienanfängern jedes Jahr in Mecklenburg-Vorpommern würden über die geplante „Landarzt-Quote“ bis zu 80 Studienplätze reserviert.

Wer einen Studienplatz über die Quote bekommt, mit dem soll ein Vertrag geschlossen werden, erläuterte Glawe der Deutschen Presse-Agentur. Wer trotz der Zusicherung für zehn Arbeitsjahre auf dem Land den Vertrag bricht, soll eine Strafe bezahlen. So soll ausgeschlossen werden, dass sich jemand einen solchen Studienplatz sichert und dann doch abwandert.

Das Bundesverfassungsgericht verlangt Glawe zufolge, dass vor der Festlegung einer „Landarzt-Quote“ der Bedarf ermittelt wird. Nach Schätzung seines Hauses sei von einem Hausärztebedarf von 164 niedergelassenen oder angestellten Ärzten in den nächsten fünf Jahren in MV auszugehen. „Wir wollen die Landarztquote so schnell wie möglich“, sagte der Minister. „Das Thema soll im Januar angegangen werden.“ Die genauen Bedarfe würden gemeinsam mit dem Bildungs- und Energieministerium evaluiert, wobei auch die Kassenärztliche Vereinigung einbezogen werde.

Vorbild für die „Landarzt-Quote“ ist Nordrhein-Westfalen, wie Glawe sagte. Dort sei jetzt eine rechtliche Regelung auf den Weg gebracht worden, die als Vorbild für Mecklenburg-Vorpommern geeignet sei. In NRW soll demnach ein Teil der Medizinstudienplätze an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach ihrer Facharztausbildung für zehn Jahre in einer unterversorgten Region als Hausarzt zu arbeiten.

Auch bisher gibt es schon Bemühungen in Mecklenburg-Vorpommern, junge Ärzte für das Praktizieren im ländlichen Raum zu gewinnen. Unter anderem werde ein Stipendienprogramm an Medizinstudenten ausgereicht, die sich verpflichten, nach ihrer Weiterbildung in Mecklenburg-Vorpommern ärztlich tätig zu werden, sagte Glawe. Außerdem würden Investitionszuschüsse für niederlassungswillige Ärzte bezahlt. Glawe stellte jedoch fest: „Das reicht nicht.“

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