Soziale Ungleichheit und Diabetes mellitus – Zeitliche Entwicklung bei Erwachsenen in Deutschland – Focus – JoHM 2/2019

Abstract: Ein Zusammenhang von sozialer Benachteiligung mit dem Vorliegen eines bekannten Diabetes und einzelner Risikofaktoren ist gut belegt. Der Artikel fasst Ergebnisse der Untersuchungssurveys des Robert Koch-Instituts der Zeiträume 1997 bis 1999 …

Abstract: Ein Zusammenhang von sozialer Benachteiligung mit dem Vorliegen eines bekannten Diabetes und einzelner Risikofaktoren ist gut belegt. Der Artikel fasst Ergebnisse der Untersuchungssurveys des Robert Koch-Instituts der Zeiträume 1997 bis 1999 und 2008 bis 2011 zusammen, um die soziale Ungleichheit – operationalisiert über den Bildungsstatus – hinsichtlich der Prävalenzen des bekannten und unerkannten Diabetes, des Erkrankungsrisikos und der Versorgung des Diabetes sowie deren zeitlicher Entwicklung zu untersuchen. Für beide Surveyzeiträume zeigen sich in der unteren Bildungsgruppe höhere Prävalenzen des bekannten und unerkannten Diabetes sowie ein höheres 5-Jahres-Diabetesrisiko im Vergleich zur mittleren und oberen Bildungsgruppe. Im Zeitverlauf sind für alle Bildungsgruppen in der Tendenz ein Prävalenzanstieg des bekannten Diabetes und eine Prävalenzabnahme des unerkannten Diabetes zu beobachten. Für das 5-Jahres-Diabetesrisiko ist im Zeitverlauf nur für die obere Bildungsgruppe eine deutliche Abnahme ersichtlich. Für die ausgewählten Versorgungsindikatoren lassen sich insgesamt keine ausgeprägten Bildungsunterschiede und im Zeitverlauf eine Verbesserung erkennen. Für einige Versorgungsindikatoren (Fußuntersuchung, Statine) beschränkt sich die Verbesserung auf die untere Bildungsgruppe. Schlussfolgernd besteht in Deutschland weiterhin soziale Ungleichheit in der Prävalenz des bekannten und unerkannten Diabetes sowie im Diabetesrisiko, jedoch ist kein deutlicher Bildungsgradient für die Versorgungsindikatoren zu beobachten. Über die Zeit hat sich die Ungleichheit in der Diabetesprävalenz nicht weiter verschärft, hinsichtlich des Diabetesrisikos jedoch leicht vergrößert. Für einzelne Versorgungsindikatoren beschränken sich Verbesserungen auf bestimmte Bildungsgruppen.

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