„Der Arzt soll und kann durch Künstliche Intelligenz nicht ersetzt werden“

Keynote-Speaker Prof. Wolfgang Wahlster hielt viel beachteten Vortrag zur Rolle der KI in der…

Einen spannenden Einblick über die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Medizin -Vision - Hype - Realität - lieferte Keynote-Speaker Prof. Dr. rer. Nat. Dr. h.c. mult. Wolfgang Wahlster zum Auftakt des diesjährigen wissenschaftlichen Kongresses zum Deutschen Zahnärztetag in Frankfurt/Main. Die vielleicht wichtigste Botschaft zum Thema war dabei die Einschätzung des Experten hinsichtlich vollautomatisierter Behandlungen durch einen Roboter: „Eine automatische Dental-OP, wie sie kürzlich in China schon durchgeführt wurde, sehe ich sehr skeptisch. Ein solches Verfahren wird weder in Europa noch in den USA zugelassen werden“, stellte der von der FAZ schon zum „Papst der KI“ ernannte Keynote-Speaker, klar. Der langjährige Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz dämpfte in seinen Ausführungen vor gut gefülltem Vortragssaal noch eine weitere Befürchtung in Richtung KI: Automatisches Behandeln solle es vorerst nicht geben, der Arzt werde nicht von Maschinen ersetzbar sein. Die Auge-Hand-Koordination beim Menschen etwa sei von Robotern (noch) nicht zu erreichen. An autonomen Robotern werde aber geforscht. Und in der kognitiven Intelligenz könnten Rechner schon heute besser sein als der Mensch. Die KI werde immer mehr zur Schlüsseltechnologie für Kernbereiche des künftigen Gesundheitswesens - auch im Bereich der Zahnmedizin, stellte Wahlster fest. Sie werde zuerst in der Bildanalyse im Diagnosebereich und bei der OP-Planung zum Einsatz kommen. Kollaborative Robotik, bei der Roboter und Mensch „Hand in Hand“ arbeiten, werde sich auch in der Zahnmedizin immer weiter durchsetzen. Sprachdialogsysteme und Chat Bots können den Zahnarzt schon heute bei der Arbeit entlasten. Intelligente KI-Brillen bieten eine erweiterte Realität und bieten dem Zahnarzt im richtigen Moment an der richtigen Lokalität wichtige Zusatzinformationen an. Ein Deep-Learning KI, so stellte Wahlster vor, habe bei der Beurteilung von Zahnbildern doppelt so viel Karies entdeckt wie eine Vergleichsgruppe von Zahnärzten. Besonders wichtig war deshalb auch folgende Feststellung: „Der Arzt soll und kann durch KI nicht ersetzt werden, aber sein Berufsbild ändert sich.“ Derzeit sorge die KI für die „zweite Welle der Digitalisierung“ erläuterte Wahlster. „Und diese zweite Welle kommt wie ein Tsunami.“ Inzwischen haben die Rechner nämlich gelernt, die Inhalte, mit denen sie über Daten gefüttert werden, auch inhaltlich zu erfassen und sind deshalb auch in der Lage, z.B. intelligente Diagnostik zu liefern. Während der Mensch über drei oder vier Abstraktionsebenen verfüge, arbeiteten moderne Computer inzwischen mit über 1000 solcher Schichten.  Die Gefahr, dass aus der KI eine den Menschen dominierende Superintelligenz entstehe, besteht nach Wahlsters Auffassung nicht. Die große Mehrheit internationaler Experten verwerfe solche Spekulationen als irreal.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Comments are closed.