Geschlechterrollenorientierung und Körperzufriedenheit im Jugendalter – Querschnittergebnisse der HBSC-Studie 2017/18 – Focus – JoHM 3/2020

Abstract: Im Jugendalter sinkt die Zufriedenheit mit dem Körper bei beiden Geschlechtern, insbesondere aber bei Mädchen. Die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen stellt eine wichtige Entwicklungsaufgabe im Zuge der Identitätsentwicklung dar. Tradi…

Abstract: Im Jugendalter sinkt die Zufriedenheit mit dem Körper bei beiden Geschlechtern, insbesondere aber bei Mädchen. Die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen stellt eine wichtige Entwicklungsaufgabe im Zuge der Identitätsentwicklung dar. Traditionelle Geschlechterrollen betonen mit Bezug zum Körper Attraktivität beim weiblichen, Stärke und Überlegenheit beim männlichen Geschlecht. Der Beitrag untersucht Zusammenhänge zwischen einer traditionellen Geschlechterrollenorientierung und der Körperzufriedenheit bei Jugendlichen im Rahmen der „Health Behaviour in School-Aged Children (HBSC)“-Studie 2017/18 anhand logistischer Regressionsmodelle (n = 1.912 Mädchen, n = 1.689 Jungen). Die Ergebnisse zeigen im Mittel eine hohe Zufriedenheit mit dem Äußeren, die bei Mädchen geringer ausfiel als bei Jungen. Insgesamt wurden wenig traditionelle Rollenvorstellungen vertreten, wobei Jungen diesen eher zustimmten. Bei beiden Geschlechtern ging eine traditionelle Rollenorientierung mit geringerer Körperzufriedenheit einher, wobei der Zusammenhang bei Jungen mit dem Alter nachließ. Als mögliche Erklärungen für die Ergebnisse werden die Inhalte stereotyper Rollenbilder diskutiert. Eine alternative Erklärung geht von einer größeren Toleranz und sozialen Unterstützung bei einer egalitären (auf Gleichheit gerichteten) Rollenorientierung aus, die die Selbstakzeptanz fördern könnte. Die Befunde weisen darauf hin, dass ein Hinterfragen traditioneller Rollenvorstellungen im Jugendalter bei beiden Geschlechtern der Prävention von Körperbildproblemen dienen kann.

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